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Individuum und Gesellschaft in der Verantwortung
Bericht über die 7. ESU-Regionalkonferenz „Nord“ in der estnischen Hauptstadt / Motto: „Gesund alt werden“ aktuell wie ehedem
Text und Fotografien von Ulrich Winz
Tallinn. Mit der 7. Regionalkonferenz „Nord“ setzte die ESU neue Akzente. In Verantwortung des vereinigten Seniorenverbandes der Partei „Pro Patria / Res Publica) widmete sich diese Tagung vom 24./25. September einem ausgesprochen seniorenspezifischen Thema. Es lautete „Gesund alt werden“ (englischer Titel „Healthy Ageing“). Die Referenten beließen es nicht bei Plädoyers für das Verhalten der Einzelnen. Nein, sowohl Politiker als auch Wissenschaftler, Sportler und Künstler stellten das ersehnte Lebensziel eines Jeden in den politischen Kontext. So wurde z.B. deutlich, was lebensfrohe und verständnisvolle Großeltern für Enkel bedeuten und worin der Nutzen altersbedingter Erfahrungen für die Politik und die Gesellschaft besteht. Appelle zu gesundheitsgerechtem Verhalten der Menschen von Jung an korrespondierten mit solchen an die Politik.
| 7. Regionalkonferenz „Nord“ der ESU, Tallinn, Estland, September 2009 |
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| Foto 1: Außenminister a.D. Trivimi Velliste begrüßt die Teilnehmer |
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ESU-Präsident Dr. Worms (D) rief die Regierungen auf, aus christlicher Verantwortung Bedingungen für freie Entscheidungen der Bürger zu schaffen und zu sichern. Jeder sollte in der Lage sein, „die für ihn und für Befindlichkeit seines Körpers richtigen Wege zu suchen und zu gehen.“ Körperliches, seelisch-geistiges und soziales Wohlbefinden – so habe es die WHO konstatiert – gehörten zusammen. Eingeschlossen sei „die Fähigkeit, sich mit etwaigen Belastungen, mit Einschränkungen und Behinderungen auseinander zu setzen und adäquat damit umzugehen“. Die stetig wachsende Lebenserwartung stehe im Zusammenhang mit
- Kompetenzerhaltung und –steigerung (Prävention)
- geriatrischer Rehabilitation sowie
- Qualitätssicherung im Falle der Pflegebedürftigkeit.
Das entstehende „neue Bild vom alten Menschen“ in der öffentlichkeit ist Worms zufolge auch bestimmt von der Möglichkeit, sich ehrenamtlich für die Gesellschaft zu engagieren –z.B. in Seniorenorganisationen im Rahmen der ESU.
Die Freude über „gewonnene gesunde Jahre“ brachte Vizepräsident Leif Hallberg (S) in Zusammenhang mit einem entsprechenden Lebenswandel. Die gebotenen Chancen gelte es, von Jugend an zu nutzen; zugleich forderte er von den Regierenden Hilfen für die Bürger ein, so lange wie irgend möglich gesund zu bleiben – auf entsprechende Strategien und Programme der EU bis 2013 verweisend.
Aus medizinischer Erfahrung plädierte Dr. Elle Elberg (S) vor allem für die Pflege gesellschaftlicher Kontakte – zwischen den Generationen der eigenen Familie wie in der öffentlichkeit.
Für Dr. Anne Ekdahl, Präsidentin der Schwedischen Geriatrischen Gesellschaft, können regelmäßige Blutdruckkontrolle, aktives sinnerfülltes Leben sowie körperliche und geistige Fitness seniler Demenz vorbeugen helfen.
| 7. Regionalkonferenz „Nord“ der ESU, Tallinn, Estland, September 2009 |
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| Foto 2: Der frühere Premier Mart Laar (l.) im Gespräch mit Leif Hallberg (m.) und Dr. B. Worms (r.) |
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Sport und Kunst als Lebenselixier
Eine Lanze für sportliche Betätigung je nach Bedarf und Konstitution brach der in Estland hoch geschätzte Olympiasieger im Zehnkampf von 2000, Erki Nool. Als Parlamentsabgeordneter und Chef einer Sportschule sorgt er sich vor allem um übergewichtige Kinder in Tallinn – eine Tätigkeit, die von der Parlamentspräsidentin Enne Ergma in ihrem freundlichen Grußwort an die Konferenz ausdrücklich unterstützt wurde.
Die Diskussion zeugte von der Bereitschaft zu verantwortungsvollem Lebenswandel und dem Willen, dafür möglichst viele Mitbürger zu gewinnen. Es kamen aber auch Defizite zur Sprache wie: Selbstmedikation (Schmerzmittel!), die teils zwielichtige Rolle der Pharmaindustrie, der Mangel an Fachärzten und an menschlicher Zuwendung im Alter (Gefahr der Vereinsamung).
Der Abgeordnete Ott Lumi (EST) musste – auf Statistiken gestützt – Defizite seines Landes hinsichtlich sozialer Leistungen, das Pensionssystem inklusive, einräumen.
| 7. Regionalkonferenz „Nord“ der ESU, Tallinn, Estland, September 2009 |
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| Foto 3: Parlamentspräsidentin Estlands Enne Ergma.
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Eine ganz andere Sicht auf das Thema eröffneten zwei Künstler. Vielseitig tätiger Künstler (Maler, Zeichner, Bildhauer u.a.m.) der Eine: Tonis Laanemaa (EST) und ein der Musik Verbundener der Andere: Dr. Arne Mikk (EST). Von Jugend an ist der bildende Künstler Anregungen aus dem In- und Ausland gegenüber aufgeschlossen und erfolgreich bestrebt, sie umzusetzen – zur eigenen Freude und der vieler Mitbürger. Sein Motto „Kunst – unsere Liebe – unser Leben“ könnte auch für den früheren Künstlerischen Direktor der Estnischen Staatsoper gelten. Es bedurfte keiner Worte mehr, nachdem er Johann Sebastian Bach („Air“ und eine von Anne-Sofie von Otter gesungene Arie) zu Gehör gebracht hatte. Ja, selbst Michael Jackson, gewissermaßen als „Kontrastprogramm“, verfehlte in diesem Kontext seine Wirkung nicht.
Die Organisation dieser erfolgreichen Regionalkonferenz „Nord“ im Gebäude des estnischen Parlaments „Riikogu“ ist zu danken: Ann Räämet (Präsidentin des vereinigten Seniorenverbandes), Leif Hallberg (Schweden, zuständiger Vizepräsident), Liis Klaar (frühere Abgeordnete, Moderatorin) und einer ganzen Schar freiwilliger Helfer aus Tallinn.
über 80 Interessierte hatte das Thema angelockt - aus elf Ländern, also über die Region Nord hinausreichend. Vom ESU-Präsidium waren außer Dr. Worms und Leif Hallberg (S) auch Vizepräsidentin Dr. Flemming (A), Generalsekretärin Uhlenbrock (D) und Schatzmeisterin Dr. Paul (A) zugegen. U. Winz überbrachte Grüße der Region „Ost“. Es sei beglückend, dass in Europa an die Stelle von Sorge um Krieg und Frieden länderübergreifende Diskussionen über Alltagsfragen getreten sind, sagte er.
| 7. Regionalkonferenz „Nord“ der ESU, Tallinn, Estland, September 2009 |
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| Foto 4: Eintrag in das Besucherbuch des „Museums der Okkupationen und des Freiheitskampfs“.
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Beeindruckende Ausstellung
Einen würdigen Auftakt hatte die Konferenz mit dem Abend der Begegnung im neuen „Museum der Okkupationen und des Freiheitskampfes“ am Fuße des Domberges. Eine Begrüßungsansprache des bekannten früheren Oppositionellen und späteren Ministerpräsidenten Mart Laar (Vorsitzender der Vereinigten Partei „Pro Patria /Res Publica“) und die Rede des ehemaligen Außenministers und UNO-Botschafters Trivimi Velliste über den Weg Estlands in die Freiheit stimmten auf die Besichtigung der vor Ort gezeigten erschütternden Exponate ein.
Allein der Anblick von Hakenkreuz und Rotem Stern an der Stirnseite der Ausstellung berührte die Besucher zutiefst. Unter dem Eindruck der Zeugnisse dreimaliger Besatzung Estlands zwischen 1940 und 1991 (UdSSR; Nazi-Deutschland; UdSSR) nahm ESU-Präsident Dr. Worms eine Eintragung in das Besucherbuch vor. L. Hallberg gedachte in bewegenden Worten der zahllosen Opfer und würdigte zugleich Mut und Entschlossenheit der politisch engagierten Generation in den Jahren 1986 – 1991. Sie hätten ihrem Land und ganz Europa einen unschätzbaren Dienst erwiesen und seien Vorbild für die jüngeren Generationen bei der Vollendung der Integration Europas, betonte er.
Text und Fotos: U. Winz
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