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2. ESU-Regionalkonferenz „West“ (Eupen)
„Aktive Senioren in Europa“ – Bilanz und Ausblick

 Forderungskatalog verabschiedet  / Rede Jean Luc Dehaenes

Text von Hermann Berié und
Ulrich Winz

Eupen (Belgien, 17. März). Die gute Vorbereitung der Konferenz zahlte sich aus: Redebeiträge, Diskussion, Atmosphäre und Resonanz bei den 300 Gästen ließen großes gesellschaftliches Engagement de drei ausrichtenden Seniorenverbände und ihre Verwurzelung im Alltag erkennen und bestärkten Viele in ihrem Tun.

Mit dem Thema „Aktive Senioren in Europa“ griffen die Organisatoren – Frau Elisabeth Dispaux-Cornil, Vizepräsidentin der ESU und andere – auf, was  ältere Bürger bewegt: Sie möchten sich einbringen und tun es auch, aber mancherlei Hürden machen es ihnen zuweilen schwer.  So standen auf der Konferenz Analyse und Ausblick nebeneinander.  Die Senioren aus Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland bekannten sich in einer  „Resolution“ nicht nur zur Integration Europas und zur friedlichen Entwicklung unseres Kontinents, sondern brachten auch ihre Wünsche, ja, ihre Forderungen zum Ausdruck. Diese sind an die Politiker der EU und deren Mitgliedsstaaten wie auch an die Behörden der Regionen gerichtet.

Als Hauptredner sprach der frühere belgische Premier und jetzige Europa-Abgeordnete Jean-Luc Dehaene zum Thema „Die Herausforderungen des sozialen Europas“. Dabei wandte er sich zunächst gegen den aufkeimenden Euroskeptizismus. Die Erfolge der EU seien unverkennbar: friedliches Zusammenwachsen der Mitglieder, wirtschaftlicher Wohlstand und ganz aktuell – dank des EURO – eine  gemeinsam und daher  besser gemeisterte Finanz- und Weltwirtschaftskrise. Auch  Sicherheit nach innen und außen gehöre dazu. Das gelte – so Dehaene – auch für die europäische Sozialpolitik, die in den Bereichen Freizügigkeit und Beschäftigung, Arbeitsschutz und soziale Sicherheit große Fortschritte gemacht habe. Nach der angestrebten Verabschiedung des Lissabonner Vertrages würden sich weitere Möglichkeiten eröffnen, da weite Bereiche der Sozialpolitik dann nicht mehr der Notwendigkeit einstimmiger Regelungen unterliegen.

Dehaene schloss mit dem Appell,  Europa weiter zu stärken, was nur mit Unterstützung der Bürger möglich sei. Umgekehrt kann nur Europa allen Bürgern Frieden und Wohlstand garantieren.

ESU-Präsident Dr. Bernhard Worms knüpfte an diese Aussagen an, indem er drei für die ESU wichtige Fundamente erläuterte: Lebenserfahrung, solidarisches Verhalten und Wahrheit.

  • Wenn jeder in Verantwortung vor Gott täglich seine Pflicht täte, würden viele menschliche und gesellschaftliche Krisen, die uns derzeit belasten, eher und besser überwunden.
  • Wenn Solidarität Wirkung zeigen soll, muss sie mit der Bereitschaft zum Verzicht verbunden sein.
  • Die täglich auf uns einstürzende Informationsflut – noch dazu ganz unterschiedlicher Tendenz – mache es den Menschen immer schwerer, die Wahrheit zu erkennen. Dank ihrer Lebenserfahrung und  im Wissen der christlichen Botschaft sind Senioren berufen, „die Kraft zur Wahrheit aufzubringen und sie zu verbreiten“.

Von diesem Bemühen war der gesamte Konferenzverlauf geprägt – sowohl die Beantwortung der an den Hauptreferenten gestellten Fragen als auch die Podiumsdiskussionen. Hieran waren die Mitglieder des Europäischen Parlaments Mathieu Grosch (cdH-CSP) und Ivo Belet (CD&V) – beide Belgien – sowie Herbert Reuel (CDU, Deutschland) beteiligt wie auch drei Repräsentanten der Zivilgesellschaft. Schließlich bestand auch  Gelegenheit, sich an die niederländische Abgeordnete des EP Ria Oomen (CDA) zu wenden, die – wie ihre Kollegen – sehr engagiert Stellung bezogen.

Von der früheren belgischen Ministerin Cecile Goor wurde eine von den drei belgischen Senioren-Organisationen vorbereitete Resolution vorgestellt, die nahezu einstimmig verabschiedet wurde.
Darin sprechen die Teilnehmer der Konferenz ihr Vertrauen in die Zukunft Europas aus und  bitten die zuständigen europäischen und nationalen Politiker und Behörden u.a. darum, eine aktive Teilnahme der Senioren an den europäischen Entscheidungsprozessen zu ermöglichen. Sie setzen sich ferner dafür ein, Altersdiskriminierung jeglicher Form zu verbieten, den Kampf gegen die Alters-Armut zum wichtigsten Ziel im Rahmen des für 2010 vorgesehenen „Europäischen Jahres zur Bekämpfung der Armut“ zu machen sowie eine zufriedenstellende
gesundheitliche Betreuung zu gewährleisten, die einher gehen muss mit angemessenem Wohnraum und ausreichenden Altersbezügen.

Sowohl  ESU-Präsident  Dr. Worms als auch der belgische Staatssekretär für Haushalt und Familienpolitik, Melchior Wathelet, riefen die Seniorinnen und Senioren auf, die Anliegen Europas mit ganzer Kraft zu vertreten und dabei für ein Miteinander von Jung und Alt einzustehen. Die Wahlen zum Europäischen Parlament Anfang Juni gelte  es, engagiert vorzubereiten und zum Erfolg zu führen. Mit der Europahymne nach Ludwig van Beethoven klangen die Berstungen aus. Doch erst nach einer Grußbotschaft der gastgebenden Stadt Eupen,  einem Empfang und einer geführten Besichtigung des Stadtzentrums traten die Gäste  frohgestimmt ihre Heimreise an.

Hermann Berié / Ulrich Winz

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