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Versöhnt gemeinsam für Europas Zukunft
| V. Internationales Seminar Deutschland - Polen (Poznan/Polen): Versöhnt gemeinsam für Europas Zukunft |
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Foto 1: ESU-Präsident Dr. Bernhard Worms (3.v.l.) berät sich mit Jerzy Wojciewski, Dr. Horst Röpke, Prof. Dr. habil. Jan Czaja, Ulrich Winz und Teofil Stanislawski (v.l.n.r.) Foto 2: Auf der Dominsel (links die Kathedrale): Verehrung von Papst Johannes Paul II anlässlich seines Todestages vor 2 Jahren (April 2006) |
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Präsident Dr. Worms lädt zu stärkerem Engagement polnischer Senioren in der ESU ein
Text und Fotografien von Ulrich Winz
Posen/Poznan (Wojewodschaft Großpolen). - "Polen und Deutschland - Schauplatz gemeinsamer Geschichte und gegenwärtiger Zusammenarbeit in der Europäischen Union". Unter diesem Leitthema stand das V. Internationale Seminar Deutschland - Polen vom 2. bis 5. April 2008 in Posen (heute Poznan), der Hauptstadt der Wojewodschaft Großpolen. Es wurde vom Bildungswerk Potsdam der Konrad-Adenauer-Stiftung in Verantwortung von Eckart Ruminski veranstaltet. Organisation und Leitung lag in den bewährten Händen des Stellvertretenden Landesvorsitzenden der Senioren-Union Brandenburg, Dr. Horst Röpke. In der Person des Präsidenten der Europäischen Senioren Union, Dr. Bernhard Worms, gewann das Seminar ein über die beiden Nachbarländer hinausreichendes Gewicht. Dem Thema entsprechend ging es in diesem Seminar um die Darstellung und Bewertung der deutsch-polnischen Geschichte aus Sicht der beiden Länder, um ihr heutiges Verhältnis und um die gemeinsame Verantwortung in der EU. Vorträge, Diskussion und Gespräche wurden durch Exkursionen ergänzt.
Mehrere Teilnehmer aus der 16köpfigen deutschen Delegation nahmen Gelegenheit, ihre Erfahrungen mit der nunmehr 20jährigen CDU-Senioren-Union in die Diskussion einzu- bringen. Als eines der Ergebnisse der Begegnung darf gelten, dass sich die PSLnahe "Vereinigung der Parlamentarier der Volksbewegung", die der ESU angehört, für alle politisch interessierten Senioren Polens öffnen wird. Dem Präsidenten dieser Vereinigung, Prof. Dr. Jan Czaja (Warschau), ist auch daran gelegen, Regionalverbände zu gründen und somit stärker zum Sachwalter der Senioren-Interessen im Land zu werden. Bislang ist das Wirken der Vereinigung - entsprechend ihrem Namen - auf ehemalige Mitglieder des Sejm und des Senats, also der beiden Kammern des polnischen Parlaments, und damit auf Warschau beschränkt.
Bei seinen Plänen kann sich Prof. Czaja auf die Unterstützung des Abgeordneten Andrzej Grzyb verlassen. Er ist Vorsitzender des Europa-Ausschusses im Sejm und steht seiner Partei, der Polnischen Volkspartei (PSL), in der Wojewodschaft Großpolen (Wielkopolska) vor. Er erinnerte an die guten Beziehungen, die es früher in Großpolen zwischen Angehörigen unserer beiden Völker gegeben hat. Der Krieg habe das alles zerstört. Er wisse aber auch von Hilfe, die Polen von Deutschen zuteil wurde, z.B. bei Transportleistungen für die "Armia Krajowa", die "Landesarmee". In lebhafter Erinnerung sei ihm die Flucht zahlreicher DDR-Bürger nach Polen und die Versöhnungsmesse von Kreisau (Krzyzowa) in Niederschlesien (Dolny Slask) mit Mazowiecki und Helmut Kohl - beides im Jahr 1989 -. Die Begegnung dieser beiden Politiker sei der Auftakt für den ersten Jugendaustausch gewesen, an dem er, Grzyb, durch die Verabschiedung der ersten Gruppe beteiligt war. Inzwischen böte die Zusammenarbeit von Städten, Universitäten, Vereinen, NGOs und - ja, auch Senioren - die Gewähr für eine unumkehrbare Entwicklung zwischen Polen und Deutschland. Es sei an der Zeit, die Erfahrungen der deutschen Senioren-Union, auch im organisatorischen Bereich, dafür zu nutzen..
Andrzej Grzyb, der vor Jahren die ersten Kontakte der ESU nach Polen geknüpft hatte, ist die starke Beteiligung hochrangiger polnischer Politiker, ehemaliger Minister und Staatssekretäre, Botschafter, Wissenschaftler und Künstler am Seminar zu danken. In ihren Reihen besteht Bereitschaft, beim Aufbau der Strukturen für einen echten Seniorenverband der PSL im Raum Poznan und Szczecin (Stettin) Verantwortung zu übernehmen. Für viele dieser älteren Herren sind polnisch-deutsche Kontakte eine Selbstverständlichkeit. Vielfältig sind ihre familiären, freundschaftlichen und beruflichen Bande entwickelt.
| V. Internationales Seminar Deutschland - Polen (Poznan/Polen): Versöhnt gemeinsam für Europas Zukunft |
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Foto 3: Kranzniederlegung und Gebet an der Ruhestätte für deutsche Soldaten. Auf dem Areal sind auch sowjetische und polnische Armeeangehörige sowie jüdische Bürger bestattet (Städtischer Friedhof Poznan/Posen). Bild 4: Altstadt von Gniezno/Gnesen mit Kathedrale. |
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Erfreut über die deutlich gewordenen Perspektiven zeigte sich Dr. Bernhard Worms, Präsident der Europäischen Senioren Union. Als Mitglied der Koalitionsregierung leiste die PSL unter ihrem Vorsitzenden Waldemar Pawlak seit Herbst 2007 eine anerkannte Tätigkeit, die sich sicherlich auch auf die Unterstützung der Senioren, ihrer Interessen und politischen Vertretung erstrecken werde. Worms hatte 2004 auch den Impuls für die Gründung eines Seniorenclubs der PiS (= Partei "Recht und Gerechtigkeit") gegeben, die z.Z. in der Opposition ist, und bemüht sich seit Jahren um stabile Beziehungen zur gegenwärtigen Regierungspartei PO (Platforma Obywatelska = Bürgerplattform) mit dem Ziel, sie zur Gründung eines Seniorenverbandes zu veranlassen, der auch Mitglied der ESU werden könnte. In seiner Rede vor den Seminarteilnehmern sagte Worms allen, die sich in den Parteien zu Fürsprechern der Senioren machen, seine ausdrückliche Unterstützung zu. In der ESU - so Worms - engagierten sich 38 Seniorenverbände aus 24 Ländern. Mit ihren etwa 400 000 Mitgliedern ist die Europäische Senioren Union eine starke politische Kraft, in der Polen eine seiner Stellung angemessene Rolle spielen sollte. Für 2009 stehe mit den Wahlen zum Europaparlament eine große Aufgabe vor uns allen.
Seminarleiter Dr. Röpke stellte in Wort und Bild historische Entwicklungen dar, wobei er den zahlreichen Verknüpfungen unserer beiden Völker und Staaten besondere Aufmerksamkeit schenkte. So äußerte er sich zu den Perioden der Kreuzritter, des Polnisch-Litauischen Reiches, der Teilungen Polens zwischen 1772 und 1918 sowie zur "Neugeburt Polens", die mit dem Überfall Deutschlands 1939 ein Ende fand. Des weiteren ging er auf die Zeit der Volksrepublik (bis 1989) und den Weg in die EU (Mitgliedschaft seit 1.5.2004) näher ein. Durch eine umfangreiche Materialsammlung in den Tagungsmappenbestand die Möglichkeit, sich in die Thematik weiter zu vertiefen.
Aus polnischer Sicht leistete Prof. Dr. Sakson (Poznan) einen bemerkenswerten Beitrag. Als Direktor des in Poznan ansässigen traditionsreichen "Westinstituts" ging er auf dessen Anliegen und Wirken ein. In enger Beziehung zu Potsdam erscheine seit Jahren im Vierteljahresrhythmus eine wissenschaftliche Zeitschrift zur gemeinsamen Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Sakson umriss Höhepunkte polnisch-deutscher Beziehungen zwischen der 3. polnischen Teilung von 1795 und den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ("durch Wiedervereinigung gelöste deutsche Frage ; Vertragswerk von 190/91; ausgedehnte Beziehungen"). Die Aussiedlung polnischer Bürger (z.B. aus ukrainisch gewordenen Landesteilen) wie der deutschen Bevölkerung aus Schlesien, Ost-Brandenburg, Pommern sowie West- und Ostpreußen blieben leider ausgespart.
Im Ergebnis der Vorträge und ( leider zu kurzen) Diskussion wurde mehrfach geäußert: Aus ehemaligen Verbündeten , die zeitweilig auch Feinde waren, sind gute Nachbarn geworden, die sich gemeinsam der Zukunft Europas verpflichtet wissen! Daran ändert auch nicht die Tatsache, dass die Bewertung historischer Ereignisse nicht von allen Teilnehmern mitgetragen werden kann. So äußerte nach ehrendem Gedenken an Denkmälern für polnische Ulanen und deutsche Soldaten ein ehemaliger polnischer Widerstandskämpfer: "Ich empfinde keinen Hass. Ich verzeihe, aber ich kann nicht vergessen!" Tief bewegt sprach er von einer schmerzhaften Misshandlung durch einen Deutschen zur Zeit der deutschen Besetzung im II. Weltkrieg.
Über Gegenwart und Zukunft der Wojewodschaft Großpolen informierte anschaulich und engagiert Vizemarschall Wojciech Jankowiak bei einem Empfang im Marschall-Amt. Hinsichtlich der Bevölkerungszahl rangiert Großpolen nach Oberschlesien (Slask) und Masowze (Masowien; rings um Warschau) auf Platz 3. Die Größe des Territoriums ist mit Brandenburg vergleichbar. Partnerschaftliche Beziehungen bestünden mit Niedersachsen, Hessen und Brandenburg - darüber hinaus mit zahlreichen Regionen in anderen Ländern. Die Senkung der Arbeitslosenquote auf etwa 8 Prozent (mit erheblichen Differenzen in einzelnen Kreisen) sei mit der gestiegenen Wirtschaftskraft, aber auch der Emigration vieler junger Leute nach Westeuropa zu erklären. Neuerdings wären Ansiedlungen aus Russland und Belarus zu beobachten.
| V. Internationales Seminar Deutschland - Polen (Poznan/Polen): Versöhnt gemeinsam für Europas Zukunft |
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Foto 5: Gniezno/Gnesen - erste Hauptstadt Polens (seit Krönung Boleslavs 1025). Kathedarle mit Boleslav-Statue Foto 6: Altstadt von Gniezno/Gnesen. Das Schloss von Kórnik erhielt durch K.F. Schinkel sein neogotisches Aussehen und teilweise eine byzantinische Innengestaltung |
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Sein Kollege im Vizemarschall-Amt Arkadiusz Blochowiak (beide PSL), der für Landwirtschaft, Umwelt und Raumplanung Verantwortung trägt, fügte bei einem "Abend der Begegnung" Details aus seinen Aufgabengebieten hinzu, wofür ihm die Zuhörer Respekt zollten. Die gesunkenen Aufkaufpreise für Schweinefleisch bereiteten den Landwirten gegenwärtig erhebliche (Existenz)Sorgen. Hinzu kämen höhere Preise für Getreide. Er verabschiedete sich mit dem dringenden Wunsch auf baldiges Wiedersehen an der Warta (Warthe). Gute Kenntnis von Land und Leuten sei für den gemeinsamen Weg in der EU hilfreich.
Das Seminarprogramm fand seine Ergänzung durch Besichtigungen in Poznan und seiner Umgebung. Die sachkundige Führung lag beim hervorragenden Seminar-Dolmetscher Marek Pluto Pradzynski in guten Händen. Im Poznaner Dom St. Peter und Paul , in deren Kellergewölben sich die vermeintlichen Grabstätten und dessen "Goldener Kapelle" die Sarkophage der ersten polnischen Herrscher Mieszko I und Boleslav Chrobry (Boleslav der Tapfere) befinden, erwiesen die Gäste aus Brandenburg und Niedersachsen der Geburtsstätte des polnischen Staates und der Kirche in Polen ihre Reverenz. 968 war es der Sitz des ersten Bischofs. Die Statuen der Herrscher stammen vom deutschen Bildhauer Daniel Christian Rauch. Einer der Stifter der Kapelle war der preußische Kronprinz, was kein Wunder ist: gehörte doch Wielkopolska nach der Teilung Polens bis zum Ende des I. Weltkrieges zu Preußen.
In der Kathedrale "Maria Himmelfahrt" von Gnesen (Gniezno) standen die Besucher am Ort eines folgenschweren Besuches des deutschen Kaisers Otto III , der Boleslav im Jahre 1000 durch Aufsetzen eines kaiserlichen Diadems die Bereitschaft des Reiches signalisierte, dem Land eine gewisse Autonomie zuzugestehen, und die Gründung des ersten Erzbistums anregte. Mit der Krönung Boleslavs 1025 zum König wurde schließlich die Unabhängigkeit Polens vom Deutschen Reich besiegelt und Gnesen zur ersten Hauptstadt Polens. Ehrfürchtig verharrten die Besucher vor der Grabplatte und dem silbernen Reliquienschrein des Heiligen Adalbert (Wojciech), der aus Prag stammte und 977 beim Versuch, die Pruzzen zu missionieren, den Märtyrertod erlitt. Sein Leben wird auf der weltbekannten bronzenen Dompforte aus romanischer Zeit dargestellt. (Die Bezeichnung "Preußen" leitet sich von "Pruzzen" oder "Prussen" ab.) Gnesen war über Jahrhunderte Krönungskirche. Einige Herrscher fanden hier ihre letzte Ruhestätte.
In Ko'rnik wandelten die deutschen Seminaristen u.a. auf den Spuren des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel, der zu Zeiten, als Polen auch unter deutscher Beteiligung aufgeteilt war, den Sitz einer Adelsfamilie im Stil der englischen Neugotik umbaute und in einen Ort für die Sammlung von Büchern und nationalen Andenken verwandelte. Rogalin schließlich verschaffte die Bekanntschaft mit einem beeindruckenden Ensemble aus spätbarockem Schloss und Park mit anschließendem englischen Landschaftspark, in dem die ältesten Eichen - vielleicht ganz Europas - zu bewundern sind. Die drei stärksten wurden nach den legendären Urvätern der Slawen: Lech (für Polen), Czech und Rus - benannt.
Die Tage von Poznan - darüber waren sich Gäste und Gastgeber einig - werden lange nachwirken; sie machen Mut zu weiteren Begegnungen von Deutschen und Polen, die der Aussöhnung zwischen unseren Völkern und dem Frieden im vereinten Europa dienen. Angehörige der älteren Generationen beider Länder haben in diesen Prozess dank ihrer Lebens-, Berufs- und politischen Erfahrung vieles einzubringen. Das beim Seminar vereinte Potential, hatte Prof. Czaja gesagt, gelte es in Zukunft weitaus stärker in Anspruch zu nehmen - im Interesse des Einzelnen wie der Gesamtheit. Dabei gelten, wie es Dr. Worms ausdrückte, verantwortete Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu den unaufgebbaren Prinzipien des christlichen Menschenbildes, das uns über Oder und Neiße hinweg eint.
Ulrich Winz
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